Zu alt für den Scheiss? – Die Aninite 2013

Österreichs grösste Anime-Convention, die „Aninite“ wurde wieder von tausenden Animefans gestürmt. Was bleibt sind schöne Cosplay-Bilder, ein paar interessante Events und der ganz große Wunsch nach einer Anime-Convention jenseits des Mainstream-Teenie-Publikums.

Conbook und Eintrittsticket

Irgendwie ist es ja vor jeder Convention das gleiche. Zuerst freue ich mich einen Ast darüber, dass zumindest temporär ein Raum geschaffen wird, in dem ich mein Hobby ungestört ausleben kann. Keine nervtötenden Fragen nach dem „Wieso“ und keine abfälligen Kommentare. Ganz besonders freue ich mich aber darauf Leute zu treffen, die ein ähnliches Mindset haben wie ich. Wir sind doch schließlich alle Otakus, oder? Tja, mit dieser Rosa Brille gehe ich jedes mal von neuem auf eine Convention und werde jedes mal aufs neue enttäuscht.

Das Hauptpublikum der Aninite und aller großen Conventions im deutschsprachigen Raum sind Teenager. Dies schlicht aus dem Grund, da der Großteil der produzierten Animes und Mangas eben Kinder und Teens als Zielpublikum hat. Sowohl die VeranstalterInnen der Cons als auch deren Sponsoren sind darauf bedacht, ein möglichst großes Publikum anzuziehen. Auch die verschiedenen Anime/Manga-Verlage haben eben dieses junge Pulikum als Haupteinnahmequelle. Unter Teenies is es noch relativ simpel Trends zu schaffen und eine Marke zu etablieren. So war es nicht verwundernswert, dass auf einer Teenie-Con wie es die Aninite eine ist, durch die Marketing-Maschinerie etablierte Serien dominierten. Erkennbar war dies an der Vielzahl von Cosplays und im Händlerraum erhältlichen Merchendising-Artikeln zu Naruto, Black Butler, Death Note und wie sie alle heissen.

Im Händlerraum
One Piece, Conan, Naruto, Death Note. Ausgefalleneres und Non-Mainstream musste man im Händlerraum mit der Lupe suchen.

So weit so gut, könnte man sich da denken. Anime ist ein Millionenbusines und der kommerzielle Teil gehört genauso dazu, wie zu einer großen Comic-Convention Spiderman, Superman und Disney dazugehören. Doch gab es auf dir Aninite, bzw. gibt es auf anderen Anime-Cons auch Nischen für solche Fans, die dem kommerziellen Teenie-Hudriwurdi schon entwachsen sind und sich nach ein wenig mehr Anspruch sehnen? Etwa nach so Zeug wie einer kritischen Betrachtung diverser Aspekte der Industrie und des Fandoms?
In dieser Richtung gab es auf der Aninite ein bisschen was. Zum einen ein Vortrag über das Thema Urheberrecht. Die Frage, ob und inwiefern „die RaubkopiererInnen“ der Industrie den Boden abgraben ist auch in der Otaku-Welt keine neue. Zündtstoff gewinnt sie in der Szene vor allem dadurch, dass Otakus tendenziell fleissigere und bewusstere KäuferInnen sind als Leute, deren Filmkonsum sich vornehmlich aus Hollywood-Produktionen zusammensetzt. Die Frage nach dem für und wider des Urheberrechts in einer Szene zu stellen, deren Konsumverhalten sich vom Mainstream differenziert und wo es eine sehr starke Industrie-Fanbase-Bindung gibt, wäre mehr als spannend. Schade jedoch, dass der Vortrag zu einer denkbar ungünstigen Zeit (10:30 Samstag Vormittag) angesetzt war. Ganz so, als würde man sich den Platz im Vortragsraum dann doch lieber für Themen sparen, die weniger kontrovers und somit auch besser besucht wären. Persönlich hab ich ihn nicht gesehen, es war mir einfach viel zu früh.

Ein Vortrag den ich besucht habe war über die „Darstellung von Historie im Anime“, gehalten von einer netten Japanologiestudentin. Der Titel war irreführend, schließlich wurde auf die Darstellung einiger historischer japanischer Militärs in einigen wenigen Animes eingegangen. Der Vortrag war jedoch definitiv interessant und machte Lust auf mehr.

Den Vortrag wieso Frauen auf Yaoi bzw. Slash stehen hab ich schon im Rahmen der Hasshin!!-Animeabende gesehen. Wäre sicherlich eines meiner Highlights gewesen, jedoch ging es sich letztendlich Zeitlich nicht aus. Schade.

Der Rest der Events interessierte mich nur sporadisch. Die verschiedenen Cosplay-Wettbewerbe auf der Hauptbühne waren zwar nett anzuschauen, mehr aber auch nicht. Man muss wohl selber Cosplayer sein, um hier mehr Begsiterung an den Tag zu legen. Ansonsten gab’s noch DIY-Ecken (zB. Modelkit-Workshops) sowie einen Fandub-Workshops, die sehr viel Anklang fanden und dazu einluden, sich nicht nur vor der Bühne oder Leinwand berieseln zu lassen. Das Programm war so gesehen zwar vielfältig, bot jedoch kaum Aspekte, die den Animanga/Otaku-Kosmos etwas tiefer und selbstreflektierter beleuchtet hätten.

„Dann geh halt unter die Leut!“

Wie weiter oben schon erwähnt, hätte eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Fandom bzw. der Subkultur und ihr zugrundeliegener Medien (Anime/Games/Manga usw.) wahrscheinlich für leere Räume gesorgt. Wieso? Weil Publikum. Dies war nämlich sehr, sehr jung. Und als erwachsener Otaku kann und will ich meine Zeit nicht mit Teenagern verbringen. Teenie-Runden, die im Teenie-Jargon über Teenie-Kram reden. Sowas mag, wenn man selber Teenager ist, zwar noch aufregend und lustig sein, für einen 29jährigen Otaku wie mich ist’s dann aber nicht das gelbe vom Ei. Ich vermisste einfach einen Raum, in dem es möglich war mit Leuten zu reden, die die gleichen Interessen teilten. Eben Animes und Mangas für ein erwachseneres, kritischeres Publikum, abseits vom Mainstream.
„Erwachsenen“ Serien und Publikum mehr Raum zu geben heisst für den Veranstalter jedoch, den Teenies weniger Raum zu lassen und dadurch niedrigere Besucherinnenzahlen zu riskieren. Für die auf der Con anwesenden Händler heisst dies, weniger Naruto und Black Butler-Kram zu verkaufen und dadurch Umsatzeinbußen hinzunehmen. Für das erwachsene Fandom wäre es jedoch eine Möglichkeit sich auszutauschen, somit das Fundament für etwaige Fanprojekte zu legen und sich auf einer Con schlicht wohler zu fühlen. Auch für die Industrie könnte das fördernd sein, schließlich wäre eine aktive, erwachsene und bewusst kritische Otaku-Szene auch das perfekte Zielpublikum, ebensolche Mangas und Animes zu vermarkten.

Es geht also schlicht um die Kultivierung einer Fanszene, die jenseits von Teenie-Gekreische und Mainstreamserien den Weg für eine Otaku-Kultur legen kann, die kritisch und anspruchsvoll sein kann, mit allen wenn und abers. Wenn ich auf einer Anime-Con endlich mal ganz selbstverständlich ein nettes Gespräch mit gleichaltrigen Leuten führen kann, die selbstbewusste und emanzipierte Persönlichkeiten sind, dann würde ich mich wohlfühlen. Mit einem Haufen Teenager und wenigen erwachsenen Neckbeards und scheuen Klischee-Otakus geht das dann doch ziemlich schwer…

Und zu guter Letzt gibt’s natürlich noch ein paar Bilder von der diesjährigen Aninite. Waren aber auch wirklich schöne Cosplays dabei.

Steampunk ahoi!

Die Figurenvitrine

DIY Modelkits bauen
Der Modelkit-Workshop. DIY find ich ja immer toll!

Link
Etwa 800 Stunden Arbeit steckten in diese Link-Kostüm. Das Kettenhemd ist selbstgemacht!“

Shingeki no Kyojin Army
Der aktuelle (und richtig gute!) Superhit „Shingeki no Kyojin“ wurde gecosplayed was das Zeug hält.

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2 Antworten auf „Zu alt für den Scheiss? – Die Aninite 2013“


  1. 1 Swtrse 05. September 2013 um 17:09 Uhr

    Zitat: Erwachsenen“ Serien und Publikum mehr Raum zu geben heisst für den Veranstalter jedoch, den Teenies weniger Raum zu lassen und dadurch niedrigere Besucherinnenzahlen zu riskieren.
    Reaktion: Ganz im Gegenteil bei unserer Community würde das eher mehr Besucherzahlen bedeuten. Erwachsenen Programm bieten bedeutet aber auch ein vielfaches mehr Abgaben an den Fiskus weshalb diese Inhalte bisher ausgelassen wurden. Sprich sobald man Programmpunkte hat die 18+ sind (das müssen jetzt nicht unbedingt Pornos sein) zahlt man ein vielfaches an Abgaben. Klingt unfair ist es auch. Ich wär der erste der den Henaifilmraum wieder einführt :D

  1. 1 Anime-SymposiWAS? « Hasshin!! Anime with attitude Pingback am 10. April 2014 um 23:25 Uhr
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