Rechte Animefans und der Umgang damit

Animefans treffen sich oft und gerne auf Conventions und ähnlichen Events. Sein Hobby ungezwungen ausleben zu können, ohne blöde Kommentare von „Normalos“ ist doch sehr befreiend und somit sind Conventions auch Schutzraum vor diskriminierendem Verhalten gegenüber Animefans. Doch was, wenn sich mal ausgewiesene RassistInnen auf ein Fan-Event verlieren und diskriminierend gegenüber sonstigen Menschen auftreten?

Meine erste Animeconvention besuchte ich so etwa mit 15 Jahren und gehörte so zum jüngeren Teil des Publikums. Politisch interessiert war ich auch schon zu dieser Zeit, jedoch war mir mein Hobby und die dazugehörige Fanszene um einiges wichtiger als ideologisch aufgeladene Diskussionen. Außerdem war für mich kaum vorstellbar, dass es unter Animefans so etwas wie rechte Dumpfbacken geben könnte. Schließlich waren „wir“ eine Subkultur und kämpften quasi degegen, dass unser Hobby nur allzu oft als Kinderkram abgestempelt wurde. Um diesen Vorurteilen die Basis abzugraben wurde stolz hergezeigt was der Markt so an Perlen zu bieten hatte: Akira, Ghost in the Shell, Patlabor… Alles Animes die in den Medien für ihre ernsten Themen und auch wegen ihrer Sozialkritik hochgelobt wurden.
Ich konnte mir also überhaupt nicht vorstellen, dass es so etwas wie rechte Animefans überhaupt geben kann. Schließlich waren wir ja die mit den „anderen“ Zeichentrickfilmen und gegen den Mainstream und was weiss ich.

Mit zunehmendem Alter wurde mir natürlich klar, dass auch Animefans nur Menschen sind. Nicht erst seitdem Anime auch in unseren Breitengraden nicht mehr ein verschrobenes Hobby ist, das man noch am ehesten über studentisch-linksalternative Filmzirkel konsumieren konnte, gibt es rechte Animefans. Und abseits der vom Fuilleton hochgelobten „Akiras“ und „Patlabors“ gab es auch immer Animes, die einen aus emanzipativer Sicht problematischen Umgang mit verschiedensten Themen (Sexismus, Nationalismus usw.) pflegen. Außerdem: Wieso sollte eine RassistIn „Akira“ nicht auch toll finden können?

Normalerweise halte ich mich von RassistInnen ja fern. Ich habe keine Lust auf ihre biologistische Argumentation. Noch weniger Bock habe ich auf Leute, die ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild vertreten. Unlustigerweise treffe ich auf Animeconventions von Zeit zu Zeit genau diese Art von Mensch. Könnte einem an sich ja egal sein, könnte man sich denken. Schließlich sind auf einer Convention auch genügend Leute, die eben keine RassistInnen sind und man kann ja mit denen was unternehmen.
Tja, wenn es nur so einfach wäre…
Egal wie oft beteuert wird, die Animeszene als solche wäre „unpolitisch“ und es „um das gemeinsame Hobby“ geht – die rassistische Einstellung einer Person wird dadurch nicht einfach weggezaubert. Und da Animefans ja eben auch nur Menschen sind reden sie natürlich nicht nur die ganze Zeit über ihr Hobby, sondern wenn es darauf ankommt auch über Politik. Zum Glück gibt es auf einigen Conventions Regeln, die diskriminierendes Verhalten nicht billigen und mit einem Rauswurf drohen, falls es dazu kommt.

Da die Animeszene eine Subkultur ist wird sie zu einem großen Teil von Fans getragen. Deswegen liegt es auch an den Fans selber, inwiefern sie diskriminierendes Verhalten innerhalb der Szene zu gunsten des „gemeinsamen Hobbies“ und der „solidarität unter Fans“ unter den Tisch kehren und somit dulden oder die Problematik offensiv ansprechen.
Wir von „Hasshin!!“ haben es in dieser Hinsicht relativ leicht. Schließlich organisieren wir unsere Animeabende in dezidiert antifaschistischen Locations, wo RassistInnen von Haus aus keinen Zutritt haben. Auch sonst haben wir keinen Bock auf Leute die glauben andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft, sexuellen Orientierung oder sonstigen Merkmalen ausgrenzen zu müssen. Außerdem sind auf Conventions meistens mehrere hundert, wenn nicht gar tausende Leute unterwegs wo es nicht möglich ist alles und jede/n ideologisch „abzuklopfen“. Wünschenswert wäre halt nicht nur eine simple „no discrimination“ policy in der Szene, sondern auch beispielsweise antirassistische Bewustseinsbildung. Schließlich sind „wir“ als Subkultur auch ein sozialer Zusammenhang. Und wenn wir schon Conventions, Zeichenzirkel, Fanclubs und zig andere Sachen auf die Beine stellen, dann hoffentlich auch ein antifaschistisches Grundverständnis.

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1 Antwort auf „Rechte Animefans und der Umgang damit“


  1. 1 Tsuki 04. Januar 2013 um 3:55 Uhr

    Also..auf sowas bin ich noch nie gestoßen o__O
    Ich weiß nicht ob’s einfach nur Glück war oder so..aber wirklich .__.
    Klar sind Animefans auch nur Menschen,aber ich kanns mir grad nicht wirklich gut vorstellen,wie so jemand sonderlich rechts sein kann…naja,was es nicht alles gibt :0

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