Zeichne Anime für Spende.

Masaaki Yuasa, Regisseur von Anime-Schmankerln wie „Mind Game“ oder „Kaiba“ plant einen neuen Anime. Dieser soll zur Gänze von Fans finanziert werden. Crowdfunding nennt sich das. Öffnet sich dadurch ein Fenster für Animes, die nicht in kommerzielle Verwertungsmuster passen?

Kick Heart

„Kich Heart“ nennt sich das Projekt, für das die Fans in den nächsten Wochen und Monaten die Kohle berappen sollen. Dabei hängt es ganz vom Zahlungswillen des Publikums ab, ob aus „Kick Heart“ nun ein abendfüllender Anime-Film gemacht wird oder es – bei entsprechend weniger Spendeneinnahmen – bei einem etwa zehnminütigen Kurzfilm bleibt. Mastermind und Regisseur ist Masaaki Yuasa, welcher sich in den letzten Jahren vor allem durch sehr unkoventionelle Animes hervorgetan hat. Seine Werke passen nicht in den Rahmen eines 08/15-Animes, dafür sind sie aber weitaus vielsagender als das meiste, was die japanischen Animationsstudios sonst so ausspucken.

Einen Anime-Abendfüller zu produzieren kostet vor allem Geld. Sehr viel Geld. Von Fans produzierte Animes sind mit immer besser werdender Computertechnik zwar leichter zu produzieren als je zuvor, jedoch sind diese meist nur wenige Minuten langen Doujin-Animes das Werk einiger weniger EnthusiastInnen und gehen mit einer gehörigen Portion Selbstausbeutung einher. Schließlich werden die hunderten Stunden des Zeichnens, Kolorierens und Synchronisierens nicht gezahlt. Professionelle Anime-MacherInnen stehen vor einem ähnlichen Problem: Woher das Geld nehmen? Ich möchte mir gar nicht ausmalen wieviele Projekte es nicht über die Planungsphase hinaus geschafft haben, da der Anime ein potentieller kommerzieller Flop geworden wäre. Und wenn sich letzten Endes dann doch SponsorInnen finden lassen, geht’s erst so richtig los: Dieser oder jener Charakter gehört eingebaut, der zweite Storyarc komplett gestrichen, mehr nackte Haut gezeigt und so weiter und so fort. Da Anime innerhalb der Filmwelt schon eine Nische für sich ist, mit einer weit kleineren Basis an potentiellen KonsumentInnen, ist es natürlich umso schwerer Themen zu platzieren die gegen gewinnbringende Trends ins Feld ziehen müssen. Kurz gesagt: Ein seichter Moe-Anime mit süßen Mädchen und nackter Haut verkauft sich immer noch um Lichtjahre besser als etwa das preisgekrönte Erstlingswerk Masaaki Yuaasas „Kaiba“.

Kaiba im Verglaich mit K-On!
Links: Kaiba, rechts: Moe-Superhit „K-ON!“. Noch fragen?

Yuasa braucht sich für „Kich Heart“ also zumindest nach aussen hin kaum danach zu orientieren, was kommerziell orientierte SponsorInnen vom Film denken. Auch wenn „Kich Heart“ an den Kinokassen grandios scheitern sollte, er wird als erster Animefilm in die Geschichte eingehen der sich zumindest einem Teil der kapitalistischen Verwertungsmaschinerie entsagt hat und bietet somit auch Ansätze für alternative Produktionsweisen. Crowdfunding kann theoretisch sowohl der Auslagerung weiter Teile der Profuktion in Billiglohnländer entgegenwirken als auch für faire Löhne für die AnimatorInnen sorgen. Weiters kann es als praktische Gegenmaßnahme zu der oftmals sexistischen Moe-Anime-Schwemme angesehen werden. Yuaasas Ansatz birgt auf jeden Fall eine menge Potential, wenn schon nicht Qualitätsmässig, dann zumindest als Denkanstoß für eine ganze Reihe von Fragen, die sich einem/einer als kritischer und politisch emanzipativ denkende/r FanIn tagtäglich so stellen.

Offizielle Page des „Kich Heart“ Projekts mit Trailern, Produktionsvideos, Artworks und Spendenmöglichkeit: http://www.kickstarter.com/projects/production-ig/masaaki-yuasas-kick-heart

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