Do you remember Heterosexism?

„Macross“ gehört ohne zweifel zu den bedeutendsten Anime-Franchises. Die Space Opera mit den Kampfrobotern hat es mittlerweile auf einige TV-Serien, Kinofilme und OVAs gebracht. Neben Riesenrobotern, Aliens und Musik sind Liebesdreiecke eine tragende Säule des Macross-Universums. Jedoch zieht sich auch ein latenter (Hetero)sexismus durch die Macross-Saga , welchen wir anhand des Ur-Macross aus 1982 näher beleuchten wollen.

Ein Typ, zwei Frauen – oder eben umgekehrt, wie im wohl besten Spinoff „Macross Plus“ zu sehen ist – so läuft das Liebesdreieck in Macross ab. In Shouji Kawamoris „The Super Dimension Fortress Macross“ besteht es aus dem Mecha-Piloten Hikaru Ichijyo (jung, keck und Sturmfrisur), der Sängerin Lynn Minmay (die süße, naive und energetische) und der Offizierin Misa Hayase (älter, abgekämpft und vernünftig). Hikaru muss sich im Laufe der Serie zwischen den beiden Frauen entscheiden, was mit einer für das Alter der Serie beachtlichen Charakterentwicklung einhergeht. Insbesondere Minmay mausert sich vom Pinup-Girl mit Schulmädchen-Charme zu einer emanzipierten jungen Frau.

Viel Pathos, Kitsch und Tränen rund um die verflossene oder zukünftige Liebe gehören zu einer Space Opera einfach dazu. So weit, so gut. Doch wo liegt nun der Hund begraben?

Zuerst einmal in der patriarchalen Rollenzuweisung. Während sich Hikaru und seine Spacefighter-Kumpels todesmutig den anrückenden Zentradi-Horden stellen (jaja, es geht um die bösartige Alien-Rasse), bleibt der weibliche Teil des Militärpersonals auf der Brücke und gibt Kommandos, welche von den supercoolen (ähem…) Piloten aber immer wieder einfach nicht befolgt werden. Einzig der Charakter des Roy Fokker kann bei den blutjungen Piloten dank seines Alters und Erfahrung („You must know how to treat a woman!“) auf hundertprozentige Loyalität zählen.


Der Männerbund lässt sich von den „alten Schachteln“ auf der Brücke also nicht immer gerne was sagen, einen Macho unterstützen sie jedoch rückhaltslos, schließlich zeigt der ihnen, wie Mann „eine Frau behandelt“. Zur Ehrenrettung der Serie sei hier jedoch gesagt, dass Fokkers Verhalten von einigen emanzipierteren Frauen der Serie nicht widerspruchslos hingenommen wird. Dass eventuell jedoch auch mal Typen etwas gegen die Machos in den „eigenen Reihen“ unternehmen, sieht man in SDF-Macross nicht.

„Wy‘re both guys, we can‘t do that!“

Im gesamten Macross-Universum gibt es Homosexualität nicht. Sie wird sogar verpönt.
Besonders beklemmend ist beispielsweise die Szene, als Hikaru, Misa und der Pilot Kakizaki von den Zentradi gefangen genommen werden. Die Zentradi sind eine Jahrtausende alte Rasse. Ihre Kultur basiert auf Krieg, Liebe ist ihnen unbekannt. Es herrscht eine strenge geschlechtliche Segregation, die Kommunikation mit den Zentradi-Frauen beschränkt sich aufs Nötigste, die Männer sind ihnen übergeordnet.
Natürlich wundern sich die Zentradi, wie es denn angeht, dass menschliche Frauen und Männer zusammenleben können, also präsentieren ihnen Hikaru und Misa einen Kuss zwischen Mann und Frau. Auf die Frage, ob nicht aus Kakizaki und Hikaru sich küssen könnten, reagieren die beiden mit Entsetzen, „so etwas“ ginge schließlich nicht. Diskussion Ende.

Mit Fortdauer der Serie werden die strikten Grenzen zwischen den männlichen und weiblichen Bad Guys zunehmend aufgeweicht, was auch zur einzigen Frau führt, die längere Zeit auf Seite der Menschen am bewaffneten Kampf teilnimmt. Milly Fallyna heisst sie und ist eine übergelaufene Zentradi, welche sich in einen menschlichen Piloten verliebt. Mit ihrer Entscheidung, trotz eines Säuglings am Kampf teilzunehmen ist wohl DER feministische Moment der Serie. In Japan ist es in weiten Teilen der Bevölkerung noch heute üblich, dass die mit Ehe und Kind der komplette Ausstieg aus dem Berufsleben erfolgt. 1982, im Entstehungsjahr der Serie, war die Situation noch um einiges prekärer.

Letztendlich geht in SDF Macross um Liebe zwischen Männern und Frauen, darüber, dass Musik verbindet. Die Geschlechtertrennung auf Seiten der Zentradi wird zwar zumindest aufgeweicht und im Besten Fall auf die Rollenbilder der menschlichen Zivilisation angepasst. Mehr auch nicht. Schade.

„Macross“, was ist denn das?
Eines der größten SciFi-Universen der Animewelt, mittlerweile reicht die Komplexität schon an Star Trek ran, welches ja spätestens mit „Deep Space 9“ und „Voyager“ eine Wissenschaft für sich geworden ist.
Die Ur-Serie „Super Dimensionals Fortress: Macross“ von 1982 war durch ihre damalige technische Überlegenheit und ihre komplexen Charaktere ein Wegbereiter für „erwachsenere“ Animes, schließlich starben Charaktere auf recht blutige Weise, auch politische Dispute wurden gezeigt. Bis heute wurden verschiedene Serien-Spinoffs, OVAs und Kinofilme produziert. Wärmstens ans Herz legen tun wir euch jedenfalls den „Macross Plus“-Kinofilm, welcher der mit Abstand „reifste“ Mosaikstein des Macross-Universums ist und dessen Handlung auch für Neulinge problemlos zu folgen ist. Wer es eher auf cheesy SpaceOpera-Kost mit PEWPEW-Rumgeballer steht, dem sei „Macross: Do You remember Love“ empfohlen, der Kinofilm welcher die Handlung der ersten TV-Serie graphisch opulent nacherzählt.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email