Sailor Moon hasst Männerbünde

Seit einigen Jahren werden verstärkt Anime/Manga-Motive für verschiedenste linke und linksradikale Plakate und Sticker verwendet. Bei einigen Antifagruppen haben Anime-Motive schon zu Sexismusvorwürfen geführt, der folgende Beitrag soll ein wenig näher darauf eingehen…

Sailor Stencil

Es muss so etwa vor 5 Jahren gewesen sein, als ich das erste mal ein Anime-Motiv auf einem linksradikalen Transparent gesehen habe. Animes und Mangas fanden ende der 90er endlich ihren Weg in die Jugendkulturen des deutschsprachigen Raums, so langsam begriffen immer mehr leute, dass die glubschäugigen „Mangafilme“ (es heißt aber immer noch „Anime“) auch irgendwo cool waren.
Was auf anderen Blogs schonmal als weltbestes Antifa-Transpi bewertet wird war auch für mich die schon erwähnte erste Begegnung in Sachen Antifa meets Anime. Es geht nämlich um folgende, mittlerweile ziemlich bekanntes Motive.

Akira Kaneda Antifa kaneda 2

Zu sehen ist Kaneda aus Katsuhiro Otomos legendärem Manga/Anime „Akira“, welcher trotz seines Alters (80er-Jahre) bis heute als einer der bedeutendsten Animes/Mangas gilt. Die Sache ist relativ klar: Das Motiv vermittelt Aggressivität, Kaneda ist sichtlich angepisst und würde, wäre er Antifaschist, dem nächsten dahergelaufenen Nazi wohl eine auflegen. Die Mehrzahl der Anime-basierenden Motive bedient sich dieser Bildsprache, welche in westlichen Comics und Zeichentricks natürlich auch zu finden ist.

Doch wieso werden eigentlich so oft Anime-Motive für linke Agitation verwendet? Abgesehen von der Ästhetik, kann es sehr wohl der Bekanntheitsgrad sein. Jede/r kennt beispielsweise Sailor Moon, und wenn Bunny Tsukino auf einmal ganz feministisch gegen Männerbünde auftritt, ist das schon ein Hingucker. Dazu noch ein Schnauzbart, um Geschlechtergrenzen zu verwischen und Voila, fertig ist ein Sticker, den viele Menschen „maaaah süß, den will ich haben!“ wollen.

Ein wenig nerdiger chic ist ebenfalls dabei, die Stoßrichtung ist klar: Jung, urban, schnell und wenns sein muss, auch so richtig laut und lästig.

Ein weiterer Interessanter Erklärungsansatz findet sich in einem Text der AG Antifa im Stura der Uni Halle, welche offen von „Infantilikonografie“ spricht, wenn es um die Darstellung „japanischer Manga-Comics und Bart Simpson, der auf Antifaplakaten mit Steinschleuder und Skateboard auf Nazijagd ging“ in linksradikalen Kontext geht. Die AG Antifa geht im Text davon aus, dass das Verwenden dieser Motive vor allem mit einer allgemeinen infantilität der radikalen Linken zusammenhängt. Der Wunsch nach einer heilen Welt ohne Arbeitsstress, ohne Ämter, Behörden und Verantwortung lässt sich tatsächlich leicht an eine reale kindliche Lebenswelt knüpfen, deren HeldInnen eben Sailor Moon, Bart Simpson, Pikachu, Marsupilami und Co. sind.

Eine weitere Interessante Stelle im Text der AG Antifa findet sich in den von den meisten Leuten wohl überlesenen Fußnoten:
„Einige Autonome boykottierten damals ein Benefiz-Konzert für die Antifa Merseburg. Der Grund: Das Konzert wurde mit einem Plakat beworben, auf dem eine junge Frau – originellerweise eine Mangazeichnung – einen Nazi verprügelte. Da die Frau ein modisches Top trug und bauchfrei war, wurde der Antifa Merseburg Sexismus vorgeworfen. „

Da mir das angeblich sexistische Motiv nun nicht bekannt ist, soll es jetzt auch nicht beurteilt werden. Tatsache ist aber, dass Animanga-Charaktere sehr häufig in aufreizenden, sexualisierten Posen dargestellt werden. Innerhalb der Animefandszene heißt das dann „Fanservice“ oder „Moe“, das Wort Sexismus wird selten bis nie in den Mund genommen.

Noch einen Sexismusvorwurf gab es für die vorarlberger „Antifa Xi-Berg“, welche auf folgende Grafik veröffentlichte.

Ada Xiberg

In den Kommentaren auf ch.indymedia entspinnt sich eine Diskussion darüber, ob denn das Motiv nun sexistisch sein soll. Es wird richtigerweise darüber gemeckert, dass das Antifa-Logo nicht von ungefähr auf der Brust angebracht wurde. Es wird darüber gemeckert, dass mensch mit der „Mangapuppe“ doch die „gleichen Methoden wie in der Werbung“ benutze. An sich stimmt die antisexistische Kritik schon, ein wenig Erklärungsbedarf gibt es aber dennoch.
So ist die erwähnte „Mangapuppe“ Teil des bekannten OS-Tan Franchises, welches ein Anime-Mädchen pro Betriebssystem, Konsole, Programm usw. herausbringt. So gibt Windows-Tan, MacOS-Tan, und wie im hier vorliegenden Fall eben Dreamcast-Tan, nach der gleichnamigen Sega-Konsole. Die Tan-Mädels sind seit jeher eine Mischung aus optischem Aufputz und männlichen Harems-Fantasien („Ich hab Windows-Tan und Nintendo-Tan, es fehlt nur noch…“), ein zumindest sexy äußeres ist absolut beabsichtigt. Sex sells, auch im Anime. Aber dass linksradikale Gruppen solche Motive mir nix dir nix reproduzieren, macht doch zumindest stutzig…
Das Gerede von den „sexistischen Mangapuppen“ zeugt jedenfalls von Unwissen ala „alle Animes sind gleich“. Schade.

Well, genug geredet. Nachfolgend noch ein paar Motive, die ich in den Weiten des Netzes gefunden habe. Leider habe ich nicht zum jeden Plakat den Anime eruieren können. Wisst ihr vielleicht mehr? Wenn ja, postet die Antwort hier als Comment!


Kaori aus „City Hunter“


Unbekannter Charakter aus dem Manga „Naru Taru“


Misato aus „Neon Genesis Evangelion“



Dieses Augenpaar findet mensch ebenfalls sehr oft auf linken Plakaten, T-Shirts, Pullis usw. Ein Klassiker, dessen Herkunft mir aber unbekannt ist.


Kenshin Himura aus „Rurouni Kenshin“


Das müsste Beatrix Kiddo aus Kill Bill 1 sein, oder?


Dieses Motiv gab’s auf T-Shirts, Buttons, Plakaten usw. Herkunft leider unbekannt :(

Naruto Antifa
Kakashi Hatake und Ino Yamanaka aus „Naruto“

Game Antifa
Kat und Ana aus Spielereihe „Wario Ware“

Heidi antifa
Klasse Plakat, das ich hier wohl nicht mehr näher zu erklären brauche :)

DIY Pokemon
Red aus dem „Pokemon Adventure“ Manga

Dokuro
Dokuro aus „Bokutatsu Tenshi Dokuro-chan“

kaneda 4 kaneda 3 kaneda 4 kaneda 5 t-shirt
Die altbekannten Motive mit Kaneda aus „Akira“ dürfen natürlich auch nicht fehlen…

Prag selnbstgemacht
Ebenfalls selbstgemacht ist dieses Motiv der Antifa Prag für eine 1.Mai-Aktion


Aus Wien stammt dieses selbstgemachte Plakat.


kitty antifa shirt
Hello Kitty macht Nazis platt. Toll ;)

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9 Antworten auf „Sailor Moon hasst Männerbünde“


  1. 1 Aykut G. 26. Oktober 2010 um 1:47 Uhr

    Warum verbreitest du diesen Schund auch noch? Schlimm genug, dass die Antifa jetzt schon auf Anime-Bildchen zurückgreift um die Jugend beeinflussen zu können. Am Ende glauben die Kids noch die Antifa seie nicht faschistisch und Gewalt ist cool.

  2. 2 Bernd 26. Oktober 2010 um 6:38 Uhr

    http://krautchan.net/a/thread-73575.html
    Selbst Krautchan ragiert schon ob eures Blogs :3
    Ne Email zum kontaktieren would be nice!
    Weiter so!

  3. 3 Philipp 28. Oktober 2010 um 18:21 Uhr

    Hallo,
    da es keine andere Möglichkeit gibt dich zu kontaktieren, als übers Kommentarfeld, möchte ich dir auf diesem Wege erstmal ein großes Lob aussprechen.
    Es ist schön das Anime nicht nur als freakige Subkultur wahrgenommen wird, sondern auch durch Blogs wie deine als vollständige Kunstform gesehen wird.
    Einen Vorschläge für Blogeinträge würde ich gerne benennen: Nämlich einmal die bislang (leider) nicht kontrovers Diskutierte Nennung des Mukden-Zwischenfalls welche im Anime „Night Raid“ zwar gezeigt wurde, wo aber die entsprechende Folge in Japan einfach zensiert wurde.
    Mit besten Grüßen,
    Philipp

  4. 4 nnn 29. Oktober 2010 um 19:42 Uhr

    http://hasshin.blogsport.de/images/3488799644_ae0c53f8a2_z.jpg
    das sind kat und ana, ninja-zwillinge aus der videospiel-serie wario.

    http://hasshin.blogsport.de/images/4287728866_454ae84b34_z.jpg
    ok, mag zwar haarspalterei sein, aber: der hier hat eigentlich mehr ähnlichkeit mit red aus den pokemon adventure manga als mit ash aus der anime serie: http://bulbapedia.bulbagarden.net/wiki/Red_%28Adventures%29 (either way, „solidarität mit den gefangenen“ statt „gotta catch ‚em all“ – das mag ich

  5. 5 Administrator 30. Oktober 2010 um 19:49 Uhr

    @ Phillip: Danke erstmal fürs Lob, hört mensch gerne :) Deinen Themenvorschlag finde ich jedenfalls richtig toll und werde in Zukunft einen Beitrag dazu schreiben.

    @ nnn: Vielen Dank für die Ergänzungen!

  6. 6 Vienna Softcore 16. November 2010 um 21:09 Uhr

    die beiden naruto-figuren sind

    oben – kakashi hatake. mMn einer der coolsten manga-chars

    unten – ino yamanaka

    greetz :)

  7. 7 pv 08. Februar 2011 um 23:42 Uhr

    hey!
    vielen dank für den hinweis (http://wp.me/pNScC-ag) und den guten artikel hier. ist mir vorher tatsächlich nicht aufgefallen – macht aber durchaus sinn. allerdings stecke ich in der anime/manga/comic-szene mal eben gar nicht drin. gut dass es leute gibt, die sich damit auskennen!
    beste grüße
    pv

  1. 1 uiui, das schreit nach ner antwort « Pingback am 14. November 2010 um 17:40 Uhr
  2. 2 Sailor Moon hasst Männerbünde « Plakatieren Verboten Pingback am 08. Februar 2011 um 23:34 Uhr
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