D.I.Y. – Animes in den 80ern

Animes werden und wurden nicht nur in kommerziell orientierten Zeichenstudios produziert, sondern auch von Fans selber. Heutzutage ist es dank Computertechnik auch für Laien relativ leicht, animierte Bilder zu erzeugen. In den 80ern war es jedoch um einiges schwieriger, vor allem, wenn mensch vor hatte, sein Werk halbwegs professionell und noch dazu im „klassischen“ Anime-Stil zu produzieren. Einige der heute nahezu vergessenen Meilensteine selbstgemachter Anime-Kunst wurden als Opening-Videos für japanische Conventions produziert.

In den 80er Jahren wurden Animes so richtig „erwachsen“. Es wurde eine Vielzahl an Serien produziert, die den Schwerpunkt auf halbwegs glaubwürdige Charakterentwicklung legten, das Niveau der Zeichnungen wurde immer höher und die Stories komplexer. Viele Leute wollten Anime eben nicht nur als Kindheitserinnerung in der Nostalgie-Schublade des Gehirns ablegen, sondern verlangten nach mehr. Anime-Fanzirkel, erste kleine Conventions, das sich-Verkleiden als Lieblingscharakter („Cosplay“); kurzum: Die Otaku-Subkultur kam auf. Während die weltweit größten Otaku-Conventions heute weltweit bis zu mehreren 100.000 BesucherInnen pro Event zählen können, waren die Fantreffen in Japan viel kleiner. Major-Events, die von großen Firmen gesponsort werden und dadurch auch ein Mainstreamiges bis Semi-Freak-Publikum anziehen, waren (noch) Mangelware.
Vielfach wurden für Conventions sogenannte „Opening-Videos“ erstellt, welche bei der obligatorischen Eröffnungszeremonie gezeigt wurden.

Das bekannteste Beispiel dieser Con-Opening-Videos sind zweifellos die der „Daicon“ in Osaka, welche 1981 und 1983 entstanden. Aus mehreren Gründen gelten diese kurzen, vor Kreativität und nerdigen Insider-Jokes nur so sprühenden Animes als Meilensteine der Otaku-Kultur. Es gelang mit den „Daicon“-Videos das erste mal einem Fanzirkel die sonst so strikte Trennung zwischen Industrie und KonsumentInnen zu verwischen. Aus der Otaku-Gruppe, welche die Videos in monatelanger Kleinarbeit animierte entwickelte sich später nämlich eines des renommiertesten Anime-Studios Japans: Gainax. Dieses ist bis heute für seine tiefe Verwurzelung mit der Fanszene bekannt.

Die Daicon-Filmchen sind übrigens wegen ihres ignorierens sämtlicher Copyrights nie offiziell auf den markt gekommen.

„Daicon“ ist übrigens nur der Kosename der „Japan SF Convention“, die jedes Jahr in einem anderen Ort Station macht und dementsprechend einen regional passenden Namen spendiert bekommt. So heißt der gleiche Event in der Präfektur Ishikawa-Ken „Uracon“ und konnte in den 80ern ebenfalls mit tollen Fanmade-Eröffnungsvideos punkten. Aus welchem Jahr das Uracon II-Video ist ließ sich leider nicht in Erfahrung bringen, Nummer III is jedenfalls aus 1984. Nichtsdesdotrotz sind die folgenden paar Minuten Anime ein gutes Beispiel dafür, dass mensch sich eben nicht auf eine kommerziell orientierte Industrue-Struktur zu stützen braucht um gute Animes zu produzieren…

Nachfolgend noch ein Opening-Video der „Azicon“, ebenfalls aus den 80ern. Viel mehr ließ sich dazu leider nicht herausfinden, eines der Kommentare auf Youtube unterschreibe ich hier aber mal doppelt:

„I get the impression there was a lot of people that were inspired by the Daicon films and were trying to do the same thing for their little cons or club activities.“

Als logische Konsequenz der selbstorganisierung der Otaku-Subkultur in den 80ern erschienen auch die ersten kommerziellen Anime-Zeitschriften, eine davon war die 2009 eingestellte „Fanroad“, welche vor allem für ihre starke Bindung zu den LeserInnen bekannt war. Soll heißen – das Mag spezialisierte sich auf Inhalte, die von den LeserInnen eingesandt wurden, von Artworks bis zu Rezepten war da alles dabei. Das folgende Video ist wohl auch eine Opening-Animation der „Gebocon“, welche augenscheinlich von der Fanroad veranstaltet wurde. Abgesehen von den für die 80er Jahren tollen 3D-Effekten und den Anspielungen auf viele klassische Animes stellt sich beim folgenden Video jedoch auch die Frage, inwiefern auch hier eine selbstständig agierende Fanzszene nicht doch langsam von der Industrie aufgesogen und stärker in der kapitalistischen Verwertungsprozess eingegliedert wird. Die Fanroad war bekanntlich nichtsdesdotrotz bis zum ende ein kommerzielles Magazin und mit ihr starb wohl das künstlerische Forum eines Großteils der LeserInnen. Ob es da nicht zielführender ist, sich andere Wege und Mittels jenseits des Kommerzes zu suchen?

PS.: Bei fast allen vorgestellten Videos lässt sich die Story wohl als „kleines Schulmädchen rettet die Welt“ zusammenfassen. Dazu soll aber ein andermal mehr geschrieben werden…

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3 Antworten auf „D.I.Y. – Animes in den 80ern“


  1. 1 Tim 29. November 2010 um 10:18 Uhr

    ha ha die alten Filmchen sehen so komisch heute aus :)

  2. 2 Ataru 04. Januar 2011 um 9:07 Uhr

    Interessanter Beitrag.

    Offiziell sind die Daicon OP-Videos vielleicht nicht erhältlich gewesen, inoffiziell auf VHS und Laserdisc aber schon. Siehe die Erklärung hier: http://www.cjas.org/~leng/daild.htm

  1. 1 Zeichne Anime für Spende. « Hasshin!! Anime with attitude Pingback am 30. Oktober 2012 um 23:55 Uhr
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